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Eine Reise nach Kalabrien

Saubere Strände und Buchten mit glasklarem Wasser, romantische Fischer-Dörfer, verträumte Berg-Orte und Leckereien wie Tartufo oder Torrone: Kein Wunder, dass es Kalabrien-Urlauber immer wieder zurück an die Stiefelspitze zieht. Auch für Familien mit Kindern hat die südlichste Region Italiens Einiges zu bieten: von Agriturismo bis Windsurfen, von Kletterparcours bis zur internationalen Kinderbibliothek.

Flugzeug, Nachtzug oder Pkw: Anreise nach Kalabrien
Rund 1.600 Kilometer trennen Süddeutschland von der italienischen Stiefelspitze. Die beliebteste weil schnellste Form der Anreise ist deshalb zweifellos das Flugzeug. Die beiden Haupt-Flughäfen der Region sind Lamezia Terme und Reggio Calabria. Die Bahn schafft es in 19 Stunden von München nach Kalabrien: Im Liegewagen geht es über Nacht ganz entspannt den Stiefel hinunter, klimafreundlich ist diese Form der Anreise obendrein. Mit dem eigenen Auto ist die Strecke nur in Etappen zu bewältigen. Die Alternative: Vor Ort ein Auto mieten – zum Beispiel für entspannte Cabrio-Touren ins Hinterland oder entlang der Küstenstraßen.

Kalabrien

Kalabrien: Traumziel in der Stiefelspitze

Baden von Mai bis November: Die beste Reisezeit
Die meisten Urlauber, darunter auch viele Italiener, zieht es zwischen Juli und Mitte September an die Strände Kalabriens. Wer es ruhiger mag, genießt die Vorzüge der Nebensaison: Frühjahr und Herbst eignen sich besonders gut zum Wandern. Milde Badetemperaturen herrschen ab Mai bis Mitte November. Eine Reihe komfortabler Hotels, aber auch kleinere familiäre Unterkünfte sorgen für Entspannung und bieten zum Teil spezielle Angebote für Kinder. Die beliebtesten Tourismus-Zentren liegen im Südwesten bei Tropea und Reggio, aber auch am Ionischen Meer im Südosten. Viele Urlaubsorte – wenn auch nicht alle – haben sich trotz ihrer guten touristischen Infrastruktur den Charme süditalienischer Fischerorte bewahrt.

Badeparadies Tropea: Die schönsten Strände Kalabriens
Die Strände und Badebuchten rund um Tropea gehören zum Schönsten, was Kalabrien zu bieten hat. Hoch über dem türkisblauen Meer ragen die Häuser von Tropea an der kalabresischen Westküste auf – die Stadt scheint aus dem Fels empor zu wachsen, Ton in Ton mit den steilen Klippen. Vom Stadtzentrum führen Treppen hinunter direkt ans Meer. Dort steht auf einem Sandsteinfelsen die Benediktinerkapelle „Santa Maria dell’Isola“, Kalabriens Fotomotiv Nummer Eins. Wer zur Kapelle hinaufsteigt, wird in Punkto Aussicht doppelt belohnt: blickt einerseits auf die Stadt und die dahinter liegende Berglandschaft, andererseits aufs glitzernde Meer und die Küste. Per Boot geht es zu traumhaften Bade-Buchten rund um das fjordartige, von Feigenkakteen bewachsene „Capo Vaticano“ südlich der Stadt. Auch Tropea selbst ist eine Attraktion: In der Altstadt warten adelige Palazzi, Trattorien, Handwerksläden und exklusive Mode-Boutiquen darauf, entdeckt zu werden. Der zentrale „Corso Vittorio Emmanuele“ ist der ideale Ort für abendliches Flanieren in luftigen Sommer-Kleidern. Dass die Straße im Hochsommer für Fahrzeuge gesperrt ist, lässt die Bedeutung des „gironzolare“, des Herumspazierens und Schlenderns ohne Ziel und Zweck, erahnen.

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Häuser am Abgrund

Der „Violette Blick“ – Ein perfekter Tag in Scilla
Die Hafenstädtchen und Fischerdörfer entlang der steilen Costa Viola zählen zu den beliebtesten Ausflugsorten Kalabriens. Das pittoreske Örtchen Scilla zum Beispiel, dessen Häuser scheinbar mit der Küste verschmelzen, spiegelt den ganzen Charme der süditalienischen Region: Am Stadtstrand Marina Grande – mit Blick auf den Burg-Fels – geben sich Urlauber zusammen mit Einheimischen dem „Dolce far‘ niente“ hin. Nach dem Sonnenbad ein Spaziergang vorbei an bunt bemalten Fischerbooten, dann auf der Piazza vor der Kirche San Rocco den berühmten „violetten Blick“ auf die Meerenge bis nach Sizilien genießen – so oder ähnlich könnte der perfekte Urlaubstag aussehen. Nicht weniger beeindruckend ist die Aussicht beim Besuch der Festung „Castello Ruffo“, die über dem Ort auf einem Felsen thront.

Geburtsort der Tartufo-Eiscreme: Die Hafenstadt Pizzo
In Pizzo, hoch über dem Golf von Sant‘ Eufemio, locken rund um die Piazza della Republica Eisdielen mit Sorten von fruchtig-exotisch bis cremig-verführerisch. Angeblich wurde hier einst das Trüffel-Eis „Tartufo“ erfunden. Sehenswert ist die Grotten-Kirche nördlich der Stadt: Die von einem Künstler aus Tuffstein gehauenen Heiligenfiguren machen die „Chiesetta di Piedigrotta“ zu einem magischen Ort. Gelegenheit zum Baden gibt es freilich auch: am Stadtstrand Pizzo Marina oder in den Buchten der näheren Umgebung. Pizzo ist darüber hinaus Zentrum des italienischen Schwertfisch-Fangs. Einblicke in das Leben der Fischer gibt das Meeresmuseum von Pizzo.

Vom „Athen Kalabriens“ auf die Skipisten des Sila-Nationalparks
Abgetrennt vom restlichen Italien durch das Kalksteinmassiv des Pollino-Gebirges entwickelte Kalabrien eine ganz eigene Kultur. Von der griechischen Besiedlung seit der Antike bis hin zur albanischen Einwanderung wurde die Region von unterschiedlichen Einflüssen geprägt. Die Universitätsstadt Cosenza mit ihrer lebhaften Kulturszene trägt stolz den Beinamen „Athen Kalabriens“. Die Altstadt, ein einziges Freiluftmuseum, präsentiert sich mit einem reichen kulturellen Angebot von Oper und Schauspiel über Literatur-Cafés bis hin zu zeitgenössischer Kunst. Die Stadt liegt am Rande des Sila-Nationalparks: Auf dem Hochplateau der waldreichen „kalabresischen Schweiz“ mit ihren Riesenbäumen, den „Gianti da Sila“, ist im Winter sogar Skifahren möglich. Auf den Pisten genießt man einen einzigartigen Blick auf den Ätna.

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Kalbrien-Highlight: Tropea

Die Internationale Kinderbibliothek in Altomonte
Architektur, Kunst und Küche vereinen sich in Altomonte zu einem Flair, wie man es sonst nur in der Toskana findet. Das 5000-Einwohner-Städtchen nimmt eine Vorbildfunktion für sozialverträglichen Tourismus ein: Erstklassige Hotels finden sich in historischem Gemäuer, in den Gassen stoßen Besucher auf Ateliers und Galerien, traditionelles Kunsthandwerk und Antiquitätenläden. Einzigartig ist die internationale Kinderbibliothek im Palazzo del Comune. Hier können kleine Leseratten ganz ohne Italienisch-Kenntnisse schmökern. Altomonte ist zudem die perfekte Basis für die Erkundung des „Parco Nazionale del Pollino“, des größten der 24 italienischen Nationalparks (www.parcopollino.it). Das attraktive Städtchen Rossano in den nördlichen Ausläufern der Sila Greca, über Jahrhunderte Zentrum der byzantinischen Mönchskultur, beheimatet noch heute einen wertvollen Schatz: den Purpurkodex, eine Bibelhandschrift aus dem 6. Jahrhundert – zu sehen im „Museo Diocesano d‘Arte Sacra“.

Natur aktiv genießen: „Agriturismo“ und Outdoor-Parks
Ein Urlaub auf dem Landgut, italienisch „Agriturismo“, bietet Erholung abseits vom Trubel der Touristen-Hochburgen. Die Betreiber der zum Feriendomizil umgestalteten Bauernhöfe servieren ihren Gästen vorwiegend Gerichte mit Zutaten aus eigenem Anbau oder Spezialitäten aus der Region.

Für Schwindelfreie geht es im größten Outdoor-Park Süditaliens hoch her. Per Drahtseil blitzschnell von Baum zu Baum gleiten, die Kletterwand erklimmen und über Baumstämme balancieren, die hoch über der Erde hängen – der „Parco Avventura“ im Herzen des Sila Nationalparks bietet ausgefallene aber stets naturnahe Attraktionen für jede Altersstufe. Wer es ruhiger mag, genießt ein Picknick im Grünen oder lässt die Kleinen auf dem Spielplatz herumtollen (ww.parcoavventuracalabria.it).

Flanieren in Reggio, Wandern im Aspromonte: Der Süden
Die ehemalige Hauptstadt Reggio lädt mit ihrer traumhaften Uferpromenade, dem „Lungomare Matteotti“, zum Spazieren ein. Hier an der Straße von Messina sind es nur wenige Kilometer bis nach Sizilien. Vor der anmutigen Kulisse des Ätna heißt es: sehen und gesehen werden – ob beim Joggen oder Flanieren. „Bella figura“ machen auch die antiken Bronzekrieger von Riace. Sie sind die Stars im „Museo Archeologico Nazionale“ in Reggio, einem der wichtigsten Antike-Museen Italiens. Im Hinterland von Reggio schließt das Aspromonte-Gebirge an. Mit tiefen Wäldern, beeindruckenden Wasserfällen und Sandstein-Monolithen ist es ein Dorado für Wander- und Trekking-Fans. Die einfacheren Rundwege sind mit älteren Kindern gut zu bewältigen. Startpunkte für geführte Touren im Nationalpark sind Gambarie oder Bova.

Auf einem Tafelberg nordwestlich des Aspromonte liegt das mittelalterliche Städtchen Gerace. Die romantische Altstadt und der größte Sakralbau Kalabriens, der „Duomo dell’Assunta“, ringen Betrachtern ein ehrfürchtiges Staunen ab. Für Kinder steht ein anderes Erlebnis im Vordergrund: Die Fahrt mit dem „Trenino di Gerace“, dem kleinen roten Touristen-Züglein, das müde Familien durch den beschaulichen Berg-Ort kutschiert.

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Gelato zum Frühstück, Mittag- und Abendessen

Tartufo, Torrone, Granità: „Dolce Vita“ vom Feinsten
Am Meer setzt man auf leichtere Kost: vorweg ein Meeresfrüchte-Salat oder Bruschetta mit frischen Tomaten, gefolgt von einer Pasta mit Schwertfisch und Minze. Auch zum Hauptgang wird gerne fangfrischer Fisch serviert, dazu ein leichter Weißer aus dem benachbarten Sizilien. Nach dem üppigen Mahl gibt es wahlweise hausgemachten Zitrus-Schnaps, Dessertwein aus der „Greco Bianco“-Traube oder cremige Verführungen wie Tartufo oder Tiramisu. Eine weitere Spezialität aus Kalabrien ist selbstgemachtes „Torrone“: Nougat mit Mandeln, Honig und kandierten Früchten. Unterwegs ist die „Granita“ eine willkommene Erfrischung. Vor allem Kinder lieben das feine Eis-Sorbet, das in allen Geschmacksrichtungen – und Farben! – an fast jeder Ecke zu haben ist.

Schwertfisch und Peperoncino-Würste – Kalabrische Spezialitäten
Scharfe Würste (‘nduja), gegrilltes Gemüse, lokale Käsesorten, dazu Rotwein vom Fass und ein paar Scheiben frisches Holzofenbrot: Besonders im Hinterland zeigt sich die kalabresische Küche von ihrer deftigen, bodenständigen Seite. Im waldreichen Kalabrien besteht das Tagesgericht schon mal aus Wildschwein („cinghiali“) oder Pilzen („funghi“). Eine Speisekarte gibt es nicht immer – auf den Tisch kommt, was gerade frisch ist. Gewürzt wird gern mit „peperoncino“, der Chili sorgt für den feurigen Ruf der kalabresischen Küche. Auch die orientalischen Einflüsse sind nicht zu verachten: Hülsenfrüchte wie Kichererbsen, aber auch Lammfleisch mit Tomaten werden zu herzhaften Pasta-Soßen verarbeitet. Als zweiter Gang folgt ein mitunter stundenlang im Tontopf gegartes Fleischgericht – begleitet von einem vollmundigen Ciró aus dem kalabresischen DOC-Anbaugebiet.

Autorin: Verena Wippich

 

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Über Cornelia Scheffler

Ich schreibe über das Reisen, andere Länder, Orte und Kulturen. Ich teile tolle Erlebnisse mit Euch und plaudere manchmal aus dem 5vorflug-Nähkästchen.
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