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Mit dem Rucksack durch die Pampa Mallorcas – Fernwandern auf dem GR221

Mit dem Rucksack durch die Pampa Mallorcas – Fernwandern auf dem GR221

Mallorca kann noch viel mehr als nur Ballermann! Vor allem für Aktivurlauber ist die Insel das ideale Reiseziel. Im Frühling und Herbst sind die Temperaturen optimal für ausgedehnte Wander- oder Radtouren und das Beste: Bei der sportlichen Betätigung gibt es auf Mallorca eine wunderschöne Landschaft zu erkunden. Unsere Autorin verbrachte ihren Urlaub auf dem Fernwanderweg GR221 auf Mallorca und hat dabei einiges erlebt. Ihre Erfahrungen teilt sie mit euch in diesem Reisebericht:


 

Ein Leben aus dem Rucksack

30 Liter, nicht mehr und nicht weniger. Das ist das Volumen meines heiß geliebten Wanderrucksacks. Und wie vor jeder Reise stellt sich die große und oft scheinbar unlösbare Frage: Wie schaffe ich es, ein ganzes Leben, mein ganzes Sein auf diese 30 Liter zu reduzieren? Es beginnt eine elementare Suche nach dem Sinn des Lebens und der eigenen Identität. Na ja, ganz so schlimm ist es dann doch nicht. Aber es ist am Ende doch jedes Mal erstaunlich festzustellen, wie wenig man zum Leben eigentlich nur braucht.

Am Ende bleiben:

  • drei T-Shirts
  • zwei Hosen
  • drei Garnituren Unterwäsche und Socken
  • ein Bikini
  • eine Mütze
  • ein kleines Handtuch
  • Basics an Waschzeug
  • ein kleines Erste-Hilfe Set
  • eine warme sowie eine Regenjacke.

Oben drauf kommen Proviant (Nüsse, Trockenobst und Müsliriegel), eine große Wasserflasche und natürlich meine Wanderstiefel. Alles, was man für einen Wanderurlaub auf Mallorca braucht!

kochen beim Wandern

Los geht´s!

Den Rucksack gepackt, die Wanderschuhe geschnürt, mache ich mich auf den Weg zum Flughafen. Mein Rucksack fliegt mit mir im Handgepäck. Wortwörtlich wie im Flug vergeht die Zeit, bis ich in Palma de Mallorca spanischen Boden betrete. Obwohl es schon Mitte Oktober ist, herrschen hier spätsommerliche Temperaturen mit blauem Himmel und Sonnenschein.

Da ich mir vorgenommen habe, auf dem GR221 zu wandern, habe ich noch in Deutschland einen Bustransfer von Palma bis nach Deià gebucht. GR steht übrigens für das französische „Grande Randonnée“ und bezeichnet ein europäisches Netz zahlreicher Fernwanderwege. Im schaukelnden Bus geht es also gut eine Stunde über schmale Bergstraßen bis an die Nordküste der Insel. Die großen Busfenster bieten schon erste Blicke auf die schöne Landschaft und in mir steigt die Vorfreude auf die kommenden Tage.

In Deiá angekommen steht noch eine gute halbe Stunde Weg zum Refugio „Can Boi“ an. Endlich ein kurzes, aber schönes Wandervergnügen zum Einstimmen auf die kommenden Tage. Das Refugio ist wunderschön, außergewöhnlich gut ausgestattet und auf den ersten Blick sind auch nur ein paar wenige, sehr nette Menschen zu Besuch. Wir schlafen in einem großen Raum mit etwa zehn Stockbetten.

Cala-de-Deia

Da es erst Nachmittag ist, starte ich eine kleine Entdeckungstour der Umgebung und finde schnell einen Weg zum Strand hinunter. Den Rucksack konnte ich im Refugio lassen, den Bikini habe ich zum Glück mitgenommen. Was für ein herrlicher erster Tag: Über den Wolken geflogen, durch die Berge gefahren, ein bisschen gelaufen, ein bisschen geschwommen – schöner geht´s doch wirklich nicht.

►►► Noch ein bisschen schöner ist nur noch ein Bad in einem dieser Strände auf Mallorca

Erster Wandertag auf Mallorca: von Deiá nach Port de Soller

Am nächsten Morgen mache ich mich auf, mein erster richtiger Wandertag beginnt. Von Deiá nach Port de Soller soll es gehen. Die Strecke ist bloß zehn Kilometer lang und ein sehr schöner und sanfter Einstieg.

Der GR221 führt über den sogenannten „Piratenweg“ oberhalb der Küste. Auf dem Piratenweg habe ich fast die ganze Zeit über einen perfekten Ausblick auf die am Strand unter den Felsenklippen brechenden Wellen. Das Gefühl, wenn man durch einen duftenden Pinienwald läuft, das Meeresrauschen hört und die sanfte Seebrise im Gesicht spürt, ist einfach unbeschreiblich. Gegen Mittag verlasse ich den Wanderweg und mache es mir am Strand in einer kleinen Bucht gemütlich. Da dieser Küstenabschnitt nur zu Fuß zu erreichen ist, bin ich hier ganz alleine und nutze diesen magischen Moment für einen erfrischenden Sprung ins kühle Nass. Mit salzverkrusteten Haaren sitze ich anschließend in der Sonne, esse ein wenig von meinem mitgebrachten Proviant und beobachte das Lichtspiel der Sonnenstrahlen auf der wogenden Wasserdecke.

Ihr habt es vielleicht schon bemerkt, wenn man alleine wandert, verbringt man sehr viel Zeit damit, die Natur und die eigene Umgebung genau zu beobachten. Eine Eigenschaft, die ich auch nach meiner Reise beibehalten möchte – bewusster und wertschätzender durchs Leben gehen. Gegen Nachmittag sind der Leuchtturm und die Bucht von Port de Soller das erste Mal sichtbar. Ich bin den Tag über sehr gemütlich gelaufen und mit mehreren ausgiebigen (Bade-)Pausen habe ich gut sieben Stunden gebraucht.

Port-de-Soller

Das Refugio „Muletta“ in Port de Soller ist fast noch schöner als „Can Boi“. Es liegt auf einem Felsen oberhalb der Hafenstadt Soller. In 20 Minuten ist man in das Städtchen gelaufen, wo ich den Abend mit einem guten spanischen Essen am Stadtstrand ausklingen lasse.

Zweiter Wandertag auf Mallorca – von Port de Soller nach Tossals Verds

Der erste Abschnitt der heute geplanten 21 Kilometer wird mit einer historischen Holztram zurückgelegt. Das charmante Gefährt bringt mich an das Ende der Stadt Soller. Hier beginnt der erste richtige Anstieg über wunderschöne, mit Olivenhainen bewachsene Steinterrassen. Der Weg ist lang und steil und die Sonne brennt unbarmherzig auf den spärlich beschatteten Weg. 900 Höhenmeter später bin ich ziemlich erschöpft, werde jedoch mit einer herrlichen Aussicht über die Olivenhaine belohnt. In weiter Ferne ist der Leuchtturm von Soller noch zu erkennen. Ein tolles Gefühl zu sehen, wie weit ich mit den eigenen Füßen gelaufen bin.

Tren de Soller

Der Weg führt mich immer weiter weg von der Küste hinein ins Landesinnere bis zu einem großen Stausee. Dahinter wartet der letzte schwere Anstieg des Tages. Über den Sattel hinweg, öffnet sich ein einsames, weites Tal. Graue Felsen in einem grünen Meer. So einfach und doch so unbeschreiblich schön. Bei meinem Weg durch das Tal passiere ich ein abgestürztes Sportflugzeug. Das Tal verengt sich, wird zur Schlucht. Seile zum Festhalten sind an den Felswänden montiert. Zwei Meter neben mir geht es verdammt tief runter. Dieser Abschnitt ist wirklich nichts für schwache Nerven. Aber wieder einmal wird die Überwindung mit einem sagenhaften Ausblick belohnt. Die letzten Kilometer sind entspannt und führen durch endloses Grün.

Dann, aus dem Nichts steht irgendwo im Nirgendwo das ersehnte Ziel: das Refugio Tossals Verds. Das Häuschen aus braunem Sandstein könnte genauso gut eine rustikale 5-Sterne-Unterkunft sein. Sowohl das Essen (Hähnchen mit Kartoffeln) als auch die Betten sind ein Traum.

Dritter Wandertag auf Mallorca – von Tossals Verds nach Lluc

Nach einer sehr erholsamen Nacht mache ich mich am nächsten Tag wieder auf den Weg. Mein Plan für heute ist der 13 Kilometer lange Weg nach Lluc mit einem Abstecher auf den Gipfel des zweithöchsten Berges Mallorcas. Je weiter der Weg sich von der Küste entfernt, desto dramatischer wird die Landschaft. Jetzt überwiegen weite, mit harten Gräsern und Geröll bedeckte Ebenen. Nach drei Tagen haben sich meine Füße an das tägliche Laufen gewöhnt und auch der Gedanke an den Anstieg auf den 1300 Meter hohen Berg erfüllt mich mit Euphorie. Leider ist das Wetter heute nicht auf meiner Seite und der Ausblick über die herrliche Landschaft wird von Nebel und Nieselregen getrübt. Das bringt mich aber nicht vom Gipfelaufstieg ab!

Ich kann jedem nur empfehlen: Auch bei Regen und stürmischen Winden lohnt sich so ein Anstieg, denn der Blick auf ein graues Wolkenmeer hat durchaus Charme und seinen Reiz. Jedoch macht das Wandern in feuchter Kleidung einfach nicht so viel Spaß und ich bin froh, als ich am Nachmittag in Lluc ankomme. Die weiten Ebenen wurden abgelöst von einem dunkelgrünen Wald. Das Refugio „Son Amer“ ähnelt einer Burg, liegt erhöht auf einem Berg über der Stadt Lluc und ist ebenso gemütlich und komfortabel wie die Unterkünfte der letzten Tage. Zum Abendessen wird ein guter spanischer Rotwein gereicht und schnell bildet sich eine gesellige Runde mit anderen Wanderern. Das Wetter hat sich gebessert und wir sitzen bis spät in die Nacht draußen, tauschen unsere Erfahrungen und Erlebnisse aus und genießen den Blick über den umliegenden Wald und die Stadt.

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Vierter und letzter Wandertag auf Mallorca – von Lluc nach Pollenca

Ich kann es am Morgen gar nicht ganz fassen, dass heute schon der letzte Wandertag ansteht. Einerseits fühlt es sich an, als wäre die Zeit im Flug vergangen, andererseits birgt jeder Tag den Erfahrungswert einer ganzen Woche. Ich nehme mir vor, die letzten 20 Kilometer heute noch mal richtig zu genießen. Nach zwei Tagen Isolation in der Gebirgswelt der mallorquinischen Nordküste nähert sich der Weg nun wieder der Zivilisation. Immer öfter führt der GR221 heute über geteerte Straßen und man trifft wieder Menschen ohne Wanderrucksack.

Mit der Schönheit der wilden Natur der letzten Tage kann dieser letzte Wanderabschnitt nicht mithalten, dennoch ist es ein schönes Ende meines Wanderurlaubs. Ein bisschen wehmütig, aber auch stolz bin ich, als ich mit meinem Rucksack, zerzausten Haaren und mehr oder weniger dreckiger Kleidung in Pollenca ankomme. Es beginnt ein letzter Abend, um die Erlebnisse der letzten Woche Revue passieren zu lassen. Morgen geht es mit dem Bus nach Palma und anschließend zurück nach Deutschland. Obwohl die letzten Tage körperlich sicher zu den anstrengendsten des Jahres gehören, fühle ich mich total erholt und ausgeruht.

Pollensa-Mallorca

Ich glaube, das ist es, was Wanderungen wie den GR221 oder den amerikanischen Pacific Crest Trail oder den Jakobsweg so attraktiv machen. Man findet zu sich selbst, kann die Hektik des Alltags hinter sich lassen und lernt, die Welt aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Man bekommt wieder ein Gefühl für die Dinge, die wirklich wichtig sind, und lernt auch Kleinigkeiten wertzuschätzen. Ich werde nächstes Jahr bestimmt wiederkommen, um Erholung und mich selbst zu finden.

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