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Osterbräuche aus aller Welt

Hartgekochte Eier bunt bemalen, ein Osterlamm backen und kleine Geschenke im Garten verstecken – das sind schöne Osterbräuche, die wir seit unserer Kindheit kennen und lieben. Feiern die Menschen anderswo anders? Wir haben einige, zum Teil recht skurril anmutende Osterbräuche in Deutschland und der Welt entdeckt.

Osterbräuche in Deutschland

Rund ums Osterei
Zahlreiche Spiele und Bräuche drehen sich Ostern um die bunt gefärbten Eier. Diese Tradition stammt aus einer Zeit, in der Nahrung im Alltag noch knapp und nur an den Festtagen reichlich vorhanden war. Deutschlandweit bekannt ist das „Eierpicken“. Hier treten immer zwei Personen gegeneinander an, jeweils mit einem hartgekochten Ei ausgestattet. Diese werden nun mit der stumpfen Seite so lange aneinander gestoßen, bis das erste Ei zu Bruch geht. Der Verlierer muss sein Ei an den Gewinner abgeben.
Nach dem gleichen Prinzip, nur in einem anderen Wettbewerb, ergattert man in Bayern beim „Osteroarscheiben“ die hartgekochten Eier. Auf einer schiefen Ebene aus Holz, einen Meter lang und mit vier Zentimeter breiten Rinnen, lassen die Teilnehmer ihre bunten Eier hinunterkullern. Das Osterei, das in der Wiese am weitesten rollt, gewinnt. Sein Besitzer darf alle anderen Eier mit nach Hause nehmen. Auch im Westerwald und in Bautzen gibt es diese Tradition, nur ist sie hier als „Ostereischibbeln“ bekannt. Die Ostereier werden über Leisten gerollt, umgangssprachlich „geschibbelt“. Da, wo das sogenannte „Schibbelei“ zum Stehen kommt, wird das „Setzei“ platziert. Der Teilnehmer, der dieses Ei am häufigsten trifft, wird am Ende zum „Schibbelkönig“ gekrönt.
Auf sportliche Art will so mancher Bayer zu Ostern das traute Heim schützen. Beim „Ostereierwerfen“ schleudert der Hausbesitzer das Ei über das Dach. Dieser Eierwurf  soll der Legende nach vor Blitzeinschlag schützen.

Osterbräuche

Osterbrunnen in Franken

Franken macht sich schön
Aus der Fränkischen Schweiz stammt der Brauch, Osterbrunnen zu schmücken. Am Karsamstag werden zur Vorbereitung auf Ostern öffentliche Dorfbrunnen mit bemalten Ostereiern und anderen Verzierungen zu Osterbrunnen geschmückt. Die Gründe für die Entstehung des Brauches sind unklar. Neben christlichen Interpretationen wird als Erklärung häufig die Wasserarmut der Fränkischen Schweiz genannt, durch die der Wasserversorgung einen besonders hohen Stellenwert zukam. Auch mag das gründliche, meist in Gemeinschaftsarbeit durchgeführte Reinigen der für die Trinkwasserversorgung wichtigen Brunnen und Quellen vom Schmutz des Herbsts und Winters eine Rolle bei der Entstehung des Brauches gespielt haben. Die Osterbrunnen bleiben üblicherweise bis zwei Wochen nach Ostern geschmückt. Während dieser Zeit sind die Orte mit als besonders schön geltenden Osterbrunnen beliebte touristische Ausflugsziele. Der größte fränkische Brunnen befindet sich in Bieberbach bei Egloffstein und bekam 2001 aufgrund seines Brunnenschmuck aus 11.108 handbemalten Eierschalen einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde.

Die Osterfeuerräder von Lügde
Jedes Jahr am Ostersonntag lässt man in Nordrhein-Westfälischen Lügde bei Einbruch der Dunkelheit brennende Räder vom Osterberg ins Tal hinabrollen. Zuvor wird dieses Feuerrad mit Stroh gestopft und so präpariert. Dann wird das Stroh entzündet und das Rad, von den jungen Männern des Dorfes an zwei Birkenstämmen geführt, einen Hügel hinuntergerollt. Dieser Volksbrauch ist auf den heidnisch-germanischen Sonnenkult zurückzuführen; Das Rad gilt als Sinnbild der Sonnenscheibe. Auch die germanische Frühlingsgöttin Ostara wird häufig mit dem Osterräderlauf in Verbindung gebracht. Die Feuerräder, wie überhaupt die verschiedenartigen Feuer, die im Laufe des Frühlings an einzelnen Tagen aufflammen, sollen dazu dienen, das Gedeihen der Ackerfrucht zu fördern und die Arbeit des Landmannes zu segnen. Außerdem gelten sie als Freudenfeuer für den nun verschwindenden Winter mit seinen kalten und dunklen Nächten. Das Licht, dargestellt durch das Feuer, triumphierte über die Dunkelheit. Der Brauch der Feuerräder wird auch in anderen Gegenden Deutschlands gepflegt, wie unter anderem im Odenwald, dem Sauerland, im Spessart und Weserbergland.

Hoch zu Roß in der Lausitz
Das Osterreiten ist ein altes religiöses Ritual in Form einer Prozession, bei welchem die Auferstehung Jesu Christi verkündigt wird. Dieser alte Brauch wird bis heute in der katholischen Oberlausitz gepflegt und zieht jedes Jahr viele Besucher in das Gebiet zwischen den Städten Hoyerswerda, Kamenz und Bautzen. Auch in Ostritz beim Kloster Marienthal wird ein Osterreiten veranstaltet. Ende der 1990er Jahre hat man den alten Brauch auch bei Lübbenau in der evangelischen Niederlausitz wiederaufleben lassen.  Am Ostersonntag reiten die Männer und Frack und Zylinder auf festlich geschmückten Pferden in die Nachbargemeinde um dieser die frohe Botschaft der Auferstehung Jesus Christus zu verkünden. Es ist Brauch, dass die besuchte Gemeinde einen Gegenbesuch durchführt. Jeder Prozessionszug, der aus über 200 Reitern und Pferden bestehen kann, darf dabei den anderen traditionell nicht kreuzen. Zudem sind die Prozessionsstrecken bewusst so gelegt, dass es ermöglicht wird, in so vielen Orten wie möglich die Botschaft zu verkünden.

Osterbräuche weltweit

Osterbräuche weltweit

Kleine Osterhexe

Hyvää Pääsiäistä – Frohe Ostern aus Finnland
Ein wenig zum Fürchten sehen sie aus, die kleinen Hexen, die in Finnland von Palmsonntag bis Ostern von Haus zu Haus ziehen. Ihre Gesichter sind rußgeschwärzt, sie tragen bunte Kopftücher und halten Ruten aus Weidenkätzchen in den Händen. So vertreiben sie die bösen Geister und wünschen den Bewohnern der Häuser viel Glück und Gesundheit.

Glockenschweigen in Frankreich
In Frankreich sind von Karfreitag bis Ostermontag die Kirchenglocken still. Zum Zeichen der Trauer für den gekreuzigten Jesus. Den Kindern erzählt man, dass alle Glocken der Kirchen am Karfreitag nach Rom geflogen sind. Am Ostersonntag kommen sie zurück und Montagvormittag läuten sie dann wieder fröhlich und laut. Bei ihrer Rückkehr haben sie die Eier für die Kinder in den Gärten versteckt, weswegen das Ostereiersuchen in Frankreich einen Tag später stattfindet als bei uns.

Pascua und die Semana Santa in Mexiko
In Mexiko feiert man das Osterfest ganz zwei Wochen. Die erste Woche ist die „Semana Santa“, in der Prozessionen stattfinden, bei denen die letzten Tage aus dem Leben Christi nachgestellt werden. In der zweiten Woche dreht sich alles um die Auferstehung Christi. Ein wichtiger Termin ist am Mittwoch vor Ostern die Mitternachtsmesse “las maitines de las tinieblas“. Bei dieser „Messe der Finsternis“ stehen 15 Kerzen auf dem Altar, die bis auf eine nach und nach gelöscht werden. Dies soll daran erinnern, dass Jesus von allen Freunden und Jüngern verlassen wurde. Ab Ostersonntag wird dann gefeiert. Für die Kinder gibt es in manchen Gegenden auch die beliebten piñatas.  Diese bunten Figuren aus Pappmachee werden an einem Ast aufgehängt und müssen mit einem Stock getroffen werden. Die Anstrengung wird belohnt mit Süßigkeiten, die sich im Inneren der Figur befinden.

Heringsbegräbnis in Irland
Der skurrilste Osterbrauch findet wohl in Irland statt – das symbolische Heringsbegräbnis. Ostersonntag werden die Heringe zu Grabe getragen. Dieser Bracuh gilt als Zeichen dafür, dass die strenge Fastenzeit, in der Heringe eine Hauptmahlzeit sind, nun zu Ende ist. Von nun an gibt es endlich wieder Fleisch. (Nicht selten werden diese Heringsbegräbnisse vom örtlichen Metzger initiiert, der froh ist, dass er wieder Wurst und Fleisch verkaufen kann.)

„Eiertütscha“ und Ostertanz in der Schweiz
In der Schweiz gibt es ungefähr so viele Ostertraditionen wie Kantone. In vielen Städten finden vor allem am Karfreitag Prozessionen und Gebete statt. Im Kanton Wallis durfte man früher an diesem Tag nur barfuss auf die Straße gehen um die Erde nicht zu stören. Hier versammeln sich die Menschen am Ostermontag kurz vor Sonnenaufgang, um auf einem der umliegenden Hügel mit einem Tanz  die Sonne zu begrüßen, symbolisch für die Auferstehung Christi. Wer besonders gelenkig ist, macht dazu noch drei Purzelbäume. Wie in Deutschland oder Österreich, ist auch in der Schweiz das „Eier-Titschen“ oder „Eiertütscha“, wie man in der Schweiz sagt, ein beliebtes Spiel. Die Ostereier werden mit der Spitze aneinander gestoßen. Der Spieler dessen Ei am Ende noch heil ist, hat gewonnen.

Über Julia Kirschner

Ich erzähle Euch von schönen Stränden, Städten und anderen Urlaubzielen. Außerdem verrate ich Tipps und Tricks für einen gelungenen (Familien-) Urlaub.
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